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Text: Thomas
 
„In Xanadu did Kublai Khan/ a pleasuredome erect“ tönt Holly Johnson aus den Boxen meines Autoradios und begrüsst mich im Pleasuredome. Dieses Xanadu muss wohl irgendwo hier hier in der Nähe gewesen sein- in den französischen Alpen rund um Briancon. Und für uns ist es immer noch existent.
Mit breitem Grinsen im Gesicht fahre gerade ich das Guisannetal nach Briancon hinunter, um die anderen an der der Aussetzstelle abzuholen, während die Sonne kurze Strahlen durch die Wolkendecke schickt. Meine Psyche ist wohl noch etwas euphorisch von dem wuchtigen und sehr schnellen Hochwasserritt durch die Guisanne-Waldschlucht, die wir eben hinter uns gebracht haben. Aber mal der Reihe nach:
Florian, Jörg Ostwald, Ralf Blaser und meine Wenigkeit, wir hatten beschlossen, vom Pfingstwochenende an eine Woche in den Alpen zu paddeln. Dabei war das Ziel die Gegend der oberen Durance.
Leider war Florian bis Sonntag mittag noch terminlich verplant. So haben Jörg und ich uns dann Samstag morgens um 2:00 mit vollem Auto Richtung Süden aufgemacht und waren gegen 8:00 in Basel, wo uns Ralf am Grenzübergang abholte. Nach ausgiebigem Frühstück bei ihm zu Hause verluden wir Boote in seinen VW-Bus und machten uns ins Berner Oberland auf. Dort paddelten wir zwei mal den mittleren Teil der Simme, die von deutschen Paddlern recht bevölkert war: Der Artikel im letzten Kanumagazin schien Nachwirkungen zu haben. Am interessantesten auf diesem munteren Dreierbach war nicht einmal die rund einen Kilometer lange Strecke „Heideweidli“, sondern die Bilderbuchschweiz drum herum: Sonnenschein, saftige Wiesen, Kühe mit Glocken und zur Krönung noch ein paar Alphornbläser, die uns mit Ihren Künsten unterhielten. Ralf schämte sich schon fast ob der ganzen Klischees.
Abends dann lecker Pizzaessen bei Ralf zu Hause, am nächsten morgen auf nach Hüningen. Auf dem dortigen Kanal tobten wir dann ebenfalls bei Kaiserwetter bis in den frühen Nachmittag herum, um dann Punkt halb vier Florian am Bahnhof in Basel abzuholen. Und auf ging‘s gen Frankreich: Bern-Lausanne-Genf-Annecy-Grenoble, dann die Romanche hinauf. Zwischenstop zum Abendessen in le-Bourg-d‘Oisans, und gegen 23:00 weiter über den Col du Lautaret ins Guisannetal. Dort bezogen wir auf einer Art inoffiziellem Campingplatz beim Dorf Le Casset unser improvisiertes Nachtlager. Dank eines festen, vorhandenen Daches entfiel auch jeder Zeltaufbau.
Morgens dann kleine Katzenwäsche und ein Frühstück, danach auf zum ersten Bach. Zum einpaddeln hatten wir die Clarée gewählt, die im unteren vierten Grad begann und sich dann über rund 15 km bis zum zweiten Grad weitete. Allerdings mussten wir feststellen, dass hier auf 1400 Meter die Temperaturen deutlich kühler waren als am Wochenende in der Schweiz und wir gierten nach jedem Strahl Sonne, der uns zusätzliche Wärme brachte.
Wer viel kämpft, muss auch gut essen, also ab zu einem kleinen Snack nach Briancon. Den Nachmittag verbrachten wir dann auf der oberen Guisanne, unsere Knochen waren von der Fahrerei doch noch etwas müde. Wir bezogen einen der wenigen offenen Campingplätze im Claréetal, warfen den Grill an und schliefen anschliesssen schnell und zufrieden ein.
Unweit unseres Campingplatzes bestreitet die Durance noch das Wesen eines bescheidenden Bächleins.
Der kommende Morgen brachte mit der Sonne auch weiter gute Laune, und so setzten wir unsere Nachmittagsbefahrung der Guisanne fort. Die Waldschlucht war durch nächtliche Regenfälle im oberen Tal gut eingeschenkt und braunes, wuchtiges Wasser bescherte uns einen unerwarteten Adrenalinritt. Auf dem Rückweg zur Einsatzstelle dröhnt mir Frankie goes to Hollywood durch die Ohren- aber das wisst ihr ja bereits.
Mittags fahren wir hinauf zur Onde, machen dort am Ausstieg eine respektable Brotzeit und paddeln diese schnelle, steile Rinne in einer guten Stunde bis zum Ausstieg, nicht ohne noch ein paar störende Bäume aus dem Lauf heraus zu sägen. Wir können uns kaum vorstellen, dass man diesen Bach im Sommer bei weniger Wasser noch fahren kann, aber Ralf schwärmt uns vom Rinnenrutschen in Jeansshorts vor.
Der Abend wird mit ausgiebigem Essen (und Trinken) bestritten und am nächsten morgen machen wir uns auf in wärmere Gefilde. Die Entfernungen von Bach zu Bach sind hier einfach zu gigantisch um alles von einem Basislager aus zu bestreiten, und vor allem Ralf sind die Fahrstrecken von dann über 30 km zu weit (*grins*), so dass wir unser neues Lager in Guillestre im Guiltal aufschlagen. Vorher wollen wir noch schnell die mittere Durance bis Embrun paddeln. Am Einstieg der Strecke liegt der „snd-kayak-shop“, wo wir natürlich unsere Augen übers Angebot schweifen lassen. Flo findet dort sofort den lange in Deutschlang vergeblich gesuchten Sweet-Rocker-Helm in stylischem gelb, und ich schlage mit einem neuen Paar unprätentiöser Neoschuhe zu.
Die Durance ist im folgenden ein einfacher, offener und wuchtiger Zweier, den ich dann locker herunter cartwheele. Naja, um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich probiere es einige Male mit seeeehr mässigem Erfolg und überlasse diesen Part dann Florian. In der Mitte der Strecke befindet sich die berühmten Rabbioux-Rapid. Diese ist ja mittlerweile bekanntermassen nur noch ein grosses, böses Loch ist, das fast ganze Rafts frisst. Trotz gegenseitigem Antreiben hat sich niemand von uns hinein getraut, es war wohl noch nicht warm genug- oder wir schon zu alt.
An der Aussatzstelle befindet sich noch die Spielstelle „La Clapière“, die weit harmloser daher kommt als die Rabbioux, aber da sich die Sonne auf unserer Fahrt komplett verzogen hat und allen etwas kühl ist, mag niemand mehr spielen. Nach dem Umziehen beobachten wir dann noch ein wenig die Locals, die dort Dinge vollführen, die wir nur bestaunen können.
Das Wetter zieht sich zunehmend zu, und ab und an regnet es noch ein wenig. Glücklicherweise bleiben die Tagestemperaturen aber auch weiterhin über 10 Grad.
Wir beschliessen, ob der Zeit von kurz nach drei, für heute genug gepaddelt zu haben, besichtigen noch die untere (verbotene) Guilschlucht respektvoll, gehen einkaufen und lassen den Tag ausklingen. Florian soll noch mehrere Male gesichtet worden sein, als er seinen neuen Helm streichelte.
Donnerstags morgen zeigt sich das Wetter weiter verregnet, aber wir lassen uns nicht unter bekommen und auf gehts‘s an den Guil. Wir steigenunterhalb der Treppen ein und geniessen den satten Wasserstand mit einem wunderschönen Naturslalom und vereinzelten Spiel- und Surfsessions.
Gut drei Stunden später sind wir an der Ausstiegsstelle und alle hoch zufrieden. Wir laden ein und fahren nach Guillestre, um uns dort in einer Bar ein wenig aufzuwärmen und zu stärken. Erwähnenswert sind hier Verkehrsschilder, deren Rückseite fest in der Hand niederländischer Knaushops sind.
Wir beschliessen, Freitag soll es noch wuchtiger werden, und so machen wir uns am nächsten Morgen auf in Richtung Ubaye. Ralf ist etwas von der gigantischen Fahr-Distanz geschreckt (immerhin 54km bis Le Lauzet), und verweigert dann vor Ort das Paddel: „In der Brühe fahre ich nicht!“
Die Ubaye führt in ihrem Oberlauf durch Kohleflöze, und speziell bei Hochwasser ist das Wasser tiefschwarz. Jörg passt erwartungsgemäss aufgrund sich schon am Vorabend ankündigenden Verdauungsproblemen und lässt sich verständlicherweise auch nicht mit Sprüchen wie „Dreimal rollen ist so viel wie eine Kohletablette!“ von mir motivieren.
Also mache ich mich mit Flo auf, die untere Standartstrecke zu befahren, den Shuttleservice im Rücken.
Auf geht‘s, das Wasser ist nicht nur tiefschwarz, sondern ich bin auch noch immer nicht ganz wach. Flo wackelt unkonzentriert eine Linie vor, mogelt sich knapp an einer grossen Walze vorbei. Ich eiere unmotiviert hinterher, denke noch „jetzt wirds aber eng“ und werde schon weggesaugt. Ich rolle wieder hoch, merke, dass ich rückwärts die nächste Stufe herunterfahre, werde erneut durchgeschleudert, rolle hoch, die Walze wirft mich wieder. Ohne wesentliche weitere Gegenwehr steige ich aus, bin jetzt hellwach und schwimme mit meinem Zeug  schnell ist nächste Kehrwasser. Noch bevor Florian richtig an Land ist, hab ich mein Material in Sicherheit und grinse breit zu ihm herüber.
Für das Thema Aufmerksamkeit nun hinreichend sensibilisiert machen wir auf dem sattem Wuchtwasser nun einen Bogen um die fetten Walzen und Löcher, was ein ständiges, schnelles Wechseln der Flussseiten erfordert. Riesenslalom auf WW IV sozusagen.
Nach schlappen 69 Minuten haben wir die 6 Kilometer inclusive Schwimmeinlage und Fotosession hinter uns gebracht und werden in Le Lauzet von Jörg und Ralf empfangen. Es beginnt zu regen, wir packen ein und fahren die Ubaye weiter hinauf. Die Exinfrans bei Les Thuiles wirken echt mächtig und niemand hat ausreichende Motivation. Wir fahren weiter hoch nach Barcelonette, nehmen hier ein warmes Mittagessen ein und informieren uns im Internetcafé über die weiteren Wettervorhersagen. Wirklich erhellend sind diese nicht und nur mit viel Überredungskunst lässt Florian sich von dem Sofa im geheizten Café herunter locken.
Doch ausser ihm lässt sich bei dem beschissenem Wetter niemand weiteres mehr fürs Paddeln motivieren und so spielen wir den Bach noch von Fort de Tournoux bis Jausiers rund 10 Kilometer in den kleinen Booten hinunter, ständig begleitet von unserem Fahrpersonal.
Nach dem Umkleiden entnehmen wir dem Fluss noch eine Flasche „Beweiswasser“ und besichtigen auf dem Heimweg noch die „Demoiselles coiffées“ bei Sauze-du-Lac. Dort erodiert der Regen das weiche Gestein schnell weg. Liegt aber ein grosser, härterer Stein obenauf, so bleibt eine Felsnadel stehen. Dieses witzige Naturschauspiel kostest nicht einmal Eintritt und macht eindrucksvoll bewusst, wie Erosion funktioniert.
Für den Samstag, unseren letzten Paddeltag, hatten wir uns noch einmal den Guil ausgewählt, der sich durch den Regen der vergangenen Tage noch einmal ein wenig wuchtiger zeigte und ein grandioser und relaxter Abschluss war.
Beim nnschliessenden Auto zurück holen dürfen wir uns noch mal über einen einen baden-würtembergischen Kanuverein wundern, der nicht nur dadurch hervor sticht, seinen Anhänger mitten auf der Strasse zu parken und zu entladen, sondern vor allem dadurch, seine Jugendlichen in kurzer Slalomjacke bei 14 Grad und Nieselregen auf WW IV zu schicken. „Herr! Wirf Hirn!“
Wir bauen im Regen unser Camp ab, duschen noch einmal und nehmen in Briancon noch einen kleinen Snack zu uns. Dort verabschieden wir uns von Ralf, der je nach Wetterentwicklung noch einen bis acht Tage bleiben will und machen uns um viertel nach sechs auf Richtung Aachen. Bei heftigsten Regenfällen kämpfen wir uns das Romanchetal hinunter, begleitet von mächtigen Wasserkaskaden rechts und links der Strasse. Erst kurz vor Grenoble sehen wir wieder erste Sonnenstrahlen. In Lyon suchen wir noch kurz erfolglos nach Hawaii-sur-Rhone, und gegen 6:00 ist auch der letzte von uns Dreien wieder in Aachen abgeladen.
Quintessenz: Ein Paddeln.pur Urlaub in einer Region, die üblicherweise deutlich später im Jahr bvesucht wird. Dafür hatten wir durchwachsenes Wetter, leere Campingplätze (so sie überhauptschon geöffnet waren) , volle Bäche und Flo einen neuen Helm. Dank Ralfs Ortskenntnis verging kaum Zeit mit der Suche nach Ein- und Aussatzstellen oder besonderen Stellen auf dem Bach. Topteam und viel Spass.
Nur aufgrund des Wetters vierkommaacht von fünf Punkten.
 
PS: Mittlerweile weiss ich für immer freihändig, wo Hawaii-sur-Rhone ist....
Welcome to the Pleasuredome
Ralf beim Umsetzten an der Simme
Heideweidli
Thomas in Huenningen
erste Nacht in F
Gipfelpanorama über der Guisanne
Joerg und Flo auf der oberen Guisanne
Ralf
Mittag in Briancon
dito
Abendessen vom Grill
Guisanne Waldschlucht
Waldschlucht
Brotzeit
Onde
Onde
Blick auf die Duranceschlucht
Camping am Claree
Durance im absoluten Oberlauf
Durchfahr durch Briancon
Flo mit neuem Helm
Durance
Rabbioux-Rapid
untere Guilschlucht
Abendstimmung
Nachtisch
Guil Einsatz
gute Laune
Flo
Joerg
Ralf
Ralf
Joerg
Ralf
Ralf
Joerg
Flo
Guil
Joerg
Flo
Flo
Flo
Guillestre
Kanoshop.nl
unser Camp
Ubaye Einstieg
Ralf testet heimlich Wernerpaddel
Thomas-wach nach Schwimmer
Ubaye
Ubaye Klammeingang
Thomas
Exinfrans
Barcelonette
Flo im Internetcafe
Einstieg obere Ubaye
Royalschlucht Unbaye
Demoiselles coiffees
ebenso
Ubayewasser-kein Scherz
Huehnercurry
Staunen beim Haas
Ubayewasser nach einem Tag Ruhe
Flussfüherer befragen
Chateau Queras
Guil Burggraben
dito
Das Team
Briancon
Col de Lautaret
Sturzbaeche auf der Heimfahrt
Assicamping auf der Autobahn