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Für alle „Newbies“ kurz zur Nommenklatur: Aus dem Wettkampfsport unterscheidet man üblicherweise Einer und Zweier, und davor wird als Kürzel die Bootsform gestellt, so dass beispielsweise K1 das Einerkajak, C1 den geschlossenen Einercanadier, OC 2 den offenen Zweiercanadier und R6 das Sechserraft beschreiben.
Unter Canadier stellt man sich allgemein das „Indianerkanu“ vor, entscheidender weise charakterisieren den Canadier allerdings (üblicherweise) zwei Kriterien: Man kniet darin und bewegt in vor allem mit dem Stechpaddel voran. Gerade beim offenen Zweier gibt es eine Menge Ausnahmen, zum Beispiel haben viele Freizeitboote richtige Sitzbänke und einige rare Candierfahrer bewegen ihr Boot mit Doppelpaddel oder gar Stakstange, aber darauf wollen wir hier nicht weiter eingehen.
 
Fertige geschlossene Canadier zu kaufen gibt es kaum, dazu ist die Gemeinde wohl zu klein. Also heisst es selber Hand anlegen. Und wie ich das bei mir umgesetzt habe, möchte ich nachfolgend beschreiben.
 
Zunächst wurden natürlich Sitz und Schenkelstützen entfernt. Als so genanten Backbone benutze ich ein Abwasserrohr, genauer gesagt ein KG 110, handelsüblich im Baustoffhandel. Dieses habe ich dann zweigeteilt und in die vorderen und hinteren Enden jeweils einen Schlitz eingesägt, der genau die Breite der Schaumkeile des Bootes hat. Bedingt durch die Form der Keile wurden die Schlitze oben und unten unterschiedlich lang eingesägt (unten deutlich weniger), so dass die Rohre stramm auf den Keilen sitzen. Zur Vermeidung von Kerbwirkungen habe ich die Ecken rund ausgebohrt.
Die beiden Rohrenden hatten zunächst noch Übermass, dass heisst sie überlappten sich mittig, und ich konnte Sie dann, als ihre Position genau fest lag, exakt einpassen.
Ein 40 cm langes Stück Rohr wurde als Muffe verwendet. Ich habe es erst längs aufgetrennt. Dann kam der etwas diffizile Part: Innen wurde die Muffe mit einem Spezial-PVC-Kleber (ebenfalls aus dem Baustoffhandel) bestrichen, aufgebogen und in der richtigen Position über das Rohr geschoben. Das ist deshalb etwas kniffelig, weil die offene Zeit des Klebers bei etw 30 Sekunden liegt, man muss also sehr fix arbeiten. Die Muffe muss dann bei der Verklebung nicht weiter fixiert werden, sie hat eh die Eigenschaft sich zusammen zu ziehen, was die Montage nicht erleichtert.
Danach habe ich auf jeder Seite noch je 4 Alu-Blindnieten gesetzt- sicher ist sicher.
Nachdem der die das Backbone bombenfest eingebaut war, ging es an den Schaumstoff. Aus zwei 5 cm dicken PE-Schaumstoffscheiben habe ich dann den so genannten Bulkhead geschnitzt, erst die Äussere Form, dann eine Aussparung für das Rohr mittig geschnitten und die beiden Blöcke miteinander verklebt. Als Kleber für den PE-Schaum kam ein Kontaktkleber zur Verwendung (zB Pattex). Schlauerweise sollte man diese Anpassungsarbeiten VOR dem Einbau des Backbones machen, dann hat man es einfacher, den Schaum ins Boot zu drehen, da das Rohr nicht stört. Ging aber mit etwas Fummelei auch so.
Der Schaum lässt sich übrigens prima mit handelsüblichem Werkzeug bearbeiten, das bedeutet ich habe ihn auf der Tischkreissäge und mit der Stichsäge geschnitten, für Feinanpassungen kamen Bandschleifer und Raspel und Schleifpapier zur Verwendung. Wer allerdings nicht täglich mit Tischkreissägen arbeitet, dem empfehle ich in diesem Falle, alles mit der Stichsäge zu machen- der Schaum kann gewisse Eigendynamiken entwickeln und dann liegt schnell ein Finger neben der Säge. Die Gefahr ist bei einer Stichsäge kaum gegeben.
Auf das Rohr habe ich dann noch einen 12 cm breiten Schaumstoffstreifen mit Höcker als Sattelsitz aufgeklebt. Zwei Aluwinkel wurden als Hüftstützen in die Originallöcher der Sitzbefestigung genietet und in die Bohrungen der Schenkelstützen ein Tauch-Bleigurt als Schenkelgurt befestigt. Mittig wurde für diesen eine Lasche aus Alublech mit vier Blindnieten im Backbone befestigt.
In die Schnalle des Tauchgurtes wurde noch eine sauber angesenkte 5mm Bohrung eingebracht, durch die mit einer dünnen Reepschnur ein Knebel befestigt wurde. Dieser lässt sich zur Notöffnung leigt greifen.
Nach ersten Versuchen zeigte sich, dass ich die Sitzposition zu weit nach vorn gelegt hatte, und so verstärkte ich den Bulkhead um weitere 5cm und klebte den Sattel ebenfalls weiter nach hinten.
Auf Fussstützen habe ich bisher verzichtet, zur Not kann ich im Augenblick noch ohne Öffnen des Schenkelgurtes ausstiegen. Wahrscheinlich werde ich entweder noch Fussstützen einbauen oder den Schenkelgurt einige Zentimeter nach hinten versetzen. Mal gucken, was das Rollentraining  als sinnvoll erweist.
 
Für den eigentlichen Umbau habe ich etwa 3 Stunden benötigt. Ich bin Tischlermeister und konnte auf eine professionelle Werkstatt mit allen Maschinen und viel Platz zurück greifen.
Später kamen und kommen dann noch  einige Male etwas Zeit zur Optimierung dazu, das zähle ich aber nicht mit, ein normales Kajak muss ja auch gefittet werden.
Auf jeden Fall werde ich im Kniebereich noch Isomattenstücke auf den Boden kleben, das fährt sich einfach bequemer und wärmer.
 
 Die Kosten des Umbaus liegen bei etwa 50-60 Euro, im einzelnen habe ich gebraucht:
- 1 KG-Rohr  DN 110 2m
- PVC-Kleber
- etwa 1 qm PE Schaum 5 cm stark
- 0,5 Kg Kontaktkleber
- 5 mm Alublindnieten
- 20 cm Aluwinkel ca. 120x60x3mm
- ca. 50x120x3 Alublech
- Tauchgurt
- etwas 3mm Reepschnut
- Holzklotz als Knebel
- Gaffatape
- Schaumstoffklebeband, wie es im Trockenbau verwendet wird (nicht nötig, aber ganz nett)
 
Thomas
 
 
                                            C1-Outfitting : 

Umbau eines Kajaks zum geschlossenen Canadier
Bug ohne Sitz und Schenkelstützen
Backbone vorne
Backbone hinten
Muffe
Muffe eingeklebt
bohren
vernieten
Bulkhead
Hüftstützen
fertig
Jungfernfahrt
mit Flo‘s S6